7 Dinge, die ich bei der Crowdfunding-Kampagne gelernt habe. Nummer 4 ist offensichtlich.

Ende 2014 entschied ich mich, das neue Jahr „Die Welt fragt, Gunter Dueck antwortet“ über eine Crowdfunding-Kampagne zu finanzieren. Das Ziel wurde übertroffen und ich möchte kurz die Erfahrungen teilen, die ich während der einmonatigen Kampagne gemacht habe.

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Was war mein Ziel?

1. Lernen, wie Crowdfunding funktioniert.

2. Dem Podcast, den ich seit über zwei Jahren als Hobby betreibe, einen Wert geben.

An erster Stelle stand tatsächlich das Lernen. Crowdfunding ist eines der wunderbaren Instrumente, die uns die digitale Vernetzung ermöglicht. Wie funktioniert es? Welcher Aufwand ist nötig? Wie ist der Prozess? Was für Stolpersteine gibt es? Was braucht es, um eine Kampagne erfolgreich zu Ende zu führen?

Ja, ein Scheitern war eingeplant und es wäre mir furchtbar unangenehm gewesen. Ich bin sehr froh, dass es geklappt hat – auch da ich sehr konservativ an die Preisfindung gegangen bin: Was habe ich bisher an Kosten investiert? (Technik, Onlineauftritt, Premiumaccounts…) Was fallen in diesem Jahr für Kosten an? Und zum Schluss: Was könnte der Wert einer Folge sein?

Der letzte Punkt ist ein gefühlter Wert und in der heutigen Zeit schwer zu berechnen. Die gelebte Marktwirtschaft ist darauf ausgelegt, aus Angebot und Nachfrage einen Preis zu bilden. Das funktioniert – wie alle Kreativ- und Softwarebranchen spüren – nicht mehr. Ein Produkt, das sich unendlich oft replizieren lässt, läuft irgendwann auf 0 Euro zu, da nach der einmaligen Herstellung nahezu keine Kosten bei der Replikation entstehen. Also reden wir auf anderen Ebenen darüber, Kulturschaffenden und Kreativen eine Art Grundeinkommen über eine Kulturabgabe zu ermöglichen. Es ist ein Grund warum Journalismus im wirtschaftlichen Sinn immer schwieriger funktioniert – die Form des Marktes ist dafür nicht ausgelegt.

Die Möglichkeiten der Refinanzierung bei digitalem Content liegen also im Verkauf der Reichweite (beispielsweise um Werbung zu senden) oder dem Zugang zu exklusiven Informationen und Inhalten (Paywall, Abo-Modelle wie Spotify, Netflix). Der Verkauf des Inhalts selbst funktioniert nicht mehr (iTunes Verkäufe sinkend, Zeitungsverkäufe sinkend, DVD Verkäufe sinkend,…).

Crowdfunding ist also eine Möglichkeit, dem Produkt selbst einen Wert zu geben – also den ideellen Wert eines Produkts in Form von Geld auszudrücken. Alles sehr theoretisch, allerdings ist für mich Crowdfunding ein Schritt zu einer Marktwirtschaft, die eher am Bedürfnis als am Bedarf orientiert ist.

Aus diesen Gründen wollte ich selbst lernen, wie eine solche Kampagne aufzusetzen und umzusetzen ist. Das sind meine Erfahrungen.

1. Es ist gut, eine Community mitzubringen

Als ich mit der Crowdfunding-Kampagne begann, sendeten wir schon zwei Jahre. Wir hatten Hörer, wir haben das Publikum mitgebracht. Der Podcast hatte zu dem Zeitpunkt über 1.000 Abonnenten via Feedburner, dazu kamen die direkten Downloads, Soundcloud-Plays und -Downloads sowie YouTube-Plays.

Dazu bringt Gunter Dueck über 10.000 Follower bei Twitter mit. Mir war also bewusst, dass zumindest genügend Menschen von der Crowdfunding-Aktion erfahren werden. Das ist immens wichtig und die komplizierteste Aufgabe in den digitalen Welten: Wie finde ich mein Publikum? Dazu muss ich natürlich erst einmal wissen, wer mein Publikum ist, wer meine Kunden sind.

Also schaffst Du die Vorraussetzungen schon jetzt. Wenn Du twitterst, bei Facebook Freunde sammelst, in Foren aktiv bist oder eine kleine Version Deines Produkts publizirst, produzierst bzw. zur Verfügung stellst.

2. Mach‘ einen guten Trailer!

1.100 Klicks hatte der Trailer kurz vor Ende der Kampagne, davon war ich am meisten überrascht. Dazu kam überraschend viel Feedback. Anfangs war ich von dem MUSS ein Trailer zu produzieren, ehrlich gesagt, genervt. Im Nachhinein war es die beste Idee.

Der Trailer muss nicht aufwendig sein, ich bin auch der Meinung, dass die meisten Crowdfunding-Trailer irre langweilig sind. Es zählt die eine gute Idee und der Mut diese konsequent umzusetzen. Am Ende des Trailers sitze ich im Bademantel auf unserem Sessel in unserem leer geräumten Wohnzimmer und föhne mir die Haare – weil ich vorher im Anzug in der Badewanne saß. Dauer der Produktion: 3 Stunden. Dazu zwei Tage Animation. (Danke Sebastian. Danke, danke, danke.)

Die Wertigkeit des Trailers sollte die Wertigkeit des Produkts widerspiegeln. Er sollte die Geschichte des Produkts erzählen. Die Haltung des Produkts aufgreifen. Die Macher kompetent und sympathisch darstellen. Der ehrliche, authentische Werbespot – nicht für das Projekt, für das Produkt. Das war die Idee.

3. Finde die richtige Plattform.

Es gibt unzählige Crowdfunding-Plattformen mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Reichweiten. Startnext.com war bei mir schnell gesetzt, ich hatte das Gefühl, die Werte und Ziele passen zusammen. „Für eine bessere Gesellschaft“ schreibt Startnext auf seiner Startseite. Am Ende hat der CEO von Startnext investiert. Ich lag mit meinem Gefühl richtig.

4. Biete die richtigen Dankeschöns an.

Schwieriges Thema. Wer ein echtes Produkt hat, bietet das Produkt zum Sonderpreis an. Journalisten, die im Netz veröffentlichen, haben ein Problem – ich habe das oben angerissen. Ich wollte den Podcast weiterhin frei zugänglich, kostenfrei und werbefrei halten. Unabhängigkeit und der freie Zugang zum produzierten Wissen waren mir persönlich von Anfang an wichtig.

Was sind also bei einem Podcast ordentliche Dankeschöns? Herr Dueck kam schnell auf die Idee, signierte Bücher zu verkaufen. Sie wurden zum erfolgreichsten Dankeschön. 50 Euro haben wir verlangt.

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Die Kosten für die Dankeschöns müssen in die Finanzierungsberechnung eingerechnet werden.

5. Erarbeite Dir ein realistisches, faires Ziel

Wer für sein Projekt 20.000 Euro braucht und bei 18.000 Euro scheitert, ärgert sich vielleicht, weil er die letzten 2.000 Euro doch selbst finanzieren hätte können. So bekommt man nichts. Setze also Dein Ziel nicht zu hoch an. Rechne durch, was Du auf jeden Fall benötigst, um das Projekt in die nächste Stufe zu überführen. Kommt mehr: Freue Dich! Erkläre im Blog, welche Ausbaustufen das Projekt noch erreichen kann, wenn mehr Geld eingenommen wird.

6. Go Social! Build an audience, grow!

…oder buche einen Fernsehspot.

Die Crowdfunding-Kampagne ist eine kostenlose Werbekampagne für Dein Projekt. Eine wunderbare Marketingmaschine, die, richtig platziert und verbreitet, neues Publikum erreichen kann. Die Abozahlen des Podcasts steigen seit dem Start der Kampagne kontinuierlich.

Zuerst gilt es Familie und Freunde zu überzeugen. Dann die richtigen Multiplikatoren. Den Kontakt zu Onlinemedien, Zeitschriften, Twitter-Accounts, Facebook-Profilen zu suchen, kann nur richtig sein. Hier musst Du aktiv werden. Das heißt auch: Absagen abholen!

Gleichzeitig bekommst Du jede Menge Feedback zu Deinem Projekt und Produkt. Selbst wer am Ende nicht als Multiplikator in Erscheinung tritt, hat nun schon von Deiner Idee gehört und steigt vielleicht später mit ein.

Wie erreiche ich die potentiellen Kunden meines Projekts/Produkts am besten? Was lesen, konsumieren sie jetzt schon? Wo hänge ich mich ran? Wer ist ein wichtiger Influencer?

Facebook & Twitter waren dabei eindeutig die wichtigsten Tools. Da die Kampagne schnell ihr Ziel erreichte, habe ich dann nicht weiter ins Audience-Building investiert. Mediale Begleitung ist ansonsten ein Muss.

7. Binde Flattr auf Deiner Homepage ein.

Überraschende Erkenntnis: Die Flattr-Community ist ab dem ersten Aufruf aufgesprungen. Seit dem Start der Kampagne gehen auch deutlich mehr Flattrs (?) ein. Es gibt also eine Gruppe von Menschen, die bereit ist zu spenden und zwar über die Plattform, die sie eh tagtäglich nutzen. Sie sind vielleicht nicht bereit, sich extra bei einer weiteren Plattform anzumelden, da sie ihre Form der Unterstützung schon gefunden haben. Es ist ein leichtes das zu unterstützen.

Zu Dokumentationszwecken gibt es hier die komplette Crowdfunding-Kampagne als Screenshot kurz vor Ende der Kampagne:

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Comments

  1. Antonia sagt:

    Moin,

    Im Februar möchte ich selber mit meinem Projekt dem EyePatch an der Start gehen und freue mich über deine Tips.
    Die Idee mit Flattr hat inspiriert. Wie genau hast du denn die Flattr-Community auf dich aufmerksam gemacht? Bzw. Wie kann man das einbinden? Für mich ist das ganz neu.

    Schon mal DANKE für deine Hilfe.

    Beste Grüße
    Antonia

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  2. Robert Kindermann sagt:

    Liebe Antonia,

    bei Flattr.com kann sich jeder registrieren und das kleine PlugIn auf jede Form einer Webseite packen.

    Somit ist schon seit vielen Monaten Flattr eine Refinanzierungsform von diesem Podcast.

    Interessant war zu beobachten, dass nach dem aktiven Aufruf über startnext.de zu spenden, sehr viele Flattrs eingegangen sind. Ich vermute also, dass die Leute, die schon bei Flattr registriert sind, sehr gerne spenden, jedoch nicht separat über Startnext sondern über die Plattform ihres Vertrauens: Flattr.

    Liebe Grüße
    Robert

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  3. Micha sagt:

    Lieber Robert,

    ich danke dir für diesen spannenden Bericht. Es ist schön zu sehen, dass du mit Alternativen für den heutigen Journalismus experimentierst. Flattr kannte ich vorher übrigens auch nicht, sehr spannende Plattform!

    Beste Grüße
    Micha

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  4. Malin Pfänder sagt:

    Hallo zusammen,
    auch ich möchte jetzt im Februar mit meinem Projekt
    „Süße Früchtchen und junges Gemüse im kecken Outfit“ online gehen u. mein Fundingziel erreichen.
    Das mit den Dankeschöns kostet einiges an Nachdenken. Danke für die „Flattr-Community-Anregung“. Jeder Klick zählt ja schliesslich ;-). LG & schaut auch mal dann bei mir rein.

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  5. Thomas sagt:

    Toller Artikel mit ganz wichtigen Tipps und Hinweisen. Das wird ganz sicher dem ein oder anderen eine große Hilfe sein, denn Crowfunding ist auch jetzt immer noch für viele eine große Chance, die genutzt werden sollte.

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